Zwischen Alhambra, Tropfsteinhöhlen und Paella – eine Woche Spanisch hautnah
28 Schülerinnen und Schüler leben bei Gastfamilien, lernen Spanisch und entdecken die Alhambra, die Höhlen von Nerja und das weiße Dorf Frigiliana
Neben den Austauschprogrammen mit China und Chile bietet die Erich-Hauser-Gewerbeschule auch sprachinteressierten Gruppen die Möglichkeit, eine Fremdsprache dort zu erleben, wo sie gesprochen wird. Im Oktober machten sich 28 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Spanischlehrerin Anja Winz auf den Weg an die Costa del Sol: Am 15. Oktober startete die Gruppe vom Flughafen Basel nach Málaga – zu einer Sprachreise, die weit mehr bot als Vokabeln und Grammatik. Anja Winz hatte die Fahrt als Hauptverantwortliche geplant, organisiert und vor Ort koordiniert.
Ankommen bei den Gastfamilien
Die Sprachschule vor Ort hatte die gesamte Organisation übernommen, vom Transfer am Flughafen bis zur Einteilung in die Unterkünfte. Die Jugendlichen wohnten nicht allein, sondern in kleinen Gruppen bei spanischen Gastfamilien. Da diese weder Deutsch noch nennenswert Englisch sprechen, war die Herausforderung von der ersten Minute an klar: Wer am Abendbrottisch mitreden wollte, musste sich auf Spanisch verständigen. Genau darin lag der besondere Reiz – im Alltag, mit Händen und Füßen und von Tag zu Tag sicherer.
„Einschulung“ mit Frühstück und Fotoauftrag
Am Freitag fand die offizielle Einschulung an der Sprachschule statt. Die Schülerinnen und Schüler wurden in drei Lerngruppen eingeteilt und erhielten an den Werktagen jeweils von 9 bis 12 Uhr kompakten Spanischunterricht. Damit Spaß und Motivation gleich zu Beginn im Mittelpunkt standen, hatten die Begleitlehrkräfte ein gemeinsames Einschulungsfrühstück vorbereitet.
Am Nachmittag ging es auf Erkundungstour durch die Stadt. Anja Winz schickte die Gruppen über einen gemeinsamen Account zu den wichtigsten Stationen Málagas: zum römischen Theater am Fuß der maurischen Festung Alcazaba, zur Kathedrale, zu den großen Plätzen der Altstadt und zum Hafen. An jedem Ort entstanden Gruppenfotos und kurze Reels – und über den Instagram-Kanal der Schule reichte die Verbindung damit schon am ersten Tag bis nach Rottweil.
Granada und die Alhambra: Tausend Jahre Geschichte
Ein Höhepunkt der Woche war am Samstag der Tagesausflug nach Granada. Schon während der Busfahrt führte Guide Antonio die Gruppe ausführlich in die Geschichte der Stadt und ihrer berühmten Festungs- und Palastanlage ein. Die Alhambra, deren Name auf Arabisch „die Rote“ bedeutet, wurde vor allem im 13. und 14. Jahrhundert unter den Nasriden ausgebaut, der letzten muslimischen Herrscherdynastie auf der Iberischen Halbinsel. Mit der Übergabe Granadas an die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand im Jahr 1492 endete die fast achthundertjährige maurische Herrschaft in Spanien – ein Datum, das bis heute als Wendepunkt der europäischen Geschichte gilt. Seit 1984 gehört die Alhambra zum UNESCO-Welterbe.
Die Führung durch die Anlage verlief unter strengen Sicherheitsauflagen und mit festen Zeitfenstern – verständlich bei einem der meistbesuchten Monumente Spaniens. Umso eindrucksvoller waren die filigranen Stuckornamente, die kunstvoll gefliesten Säle, die Wasserbecken und die Gärten, in denen islamische Baukunst ihre ganze Feinheit zeigt.
Im Anschluss tauchte die Gruppe in die Altstadt ein. Im Albaicín, dem alten maurischen Viertel mit seinen engen, verwinkelten Gassen, kleinen Läden und Teestuben, ist die arabische Prägung Granadas bis heute spürbar. Ganz in der Nähe, mitten im Stadtkern und eng von den Gassen umschlossen, erhebt sich die Kathedrale, die nach der Rückeroberung auf dem Gelände der einstigen Hauptmoschee errichtet wurde. Gerade dieses Nebeneinander machte für viele den besonderen Eindruck des Tages aus: das maurische Erbe auf der einen und der tief verwurzelte Katholizismus, der in Granada wie in allen spanischen Städten das Stadtbild prägt, auf der anderen Seite.
Geschichte zum Anfassen: Guide Antonio führt die Schülerinnen und Schüler durch die Gärten des Generalife, des einstigen Sommerpalasts der Alhambra.
Unwetter, Plan B und ein Nachholtermin
In der Nacht von Samstag auf Sonntag zog ein schweres Unwetter mit Sturzflut über die Region. Wegen der ausgegebenen Warnung musste der für Sonntag geplante Ausflug zu den Höhlen von Nerja abgesagt werden. Als sich das Wetter im Lauf des Tages beruhigte, stellten die Begleitlehrkräfte kurzerhand ein Alternativprogramm auf die Beine, sodass die Gruppe Málaga am Nachmittag noch einmal auf eigene Weise erleben konnte.
Nach dem Unterricht am Montag stand der Nachmittag zur freien Verfügung – Zeit für Souvenirs, für einen Bummel durch die Stadt oder auch für den Gang in die Apotheke, wo sich manche eine Salbe gegen die lästigen Mückenstiche besorgten.
Die Höhlen von Nerja und das weiße Dorf Frigiliana
Dank des Einsatzes von Anja Winz, die kurzerhand einen neuen Termin organisierte, konnte der Ausflug nach Nerja schon am Dienstag nachgeholt werden – und er lohnte sich. Die Cueva de Nerja wurde erst 1959 durch Zufall von fünf Jugendlichen aus dem Ort entdeckt. Heute zählt sie zu den eindrucksvollsten Tropfsteinhöhlen Europas: Ein weitverzweigtes System riesiger Kammern erstreckt sich über mehrere Kilometer, wovon ein Teil für Besucher zugänglich ist. In den gewaltigen Sälen ragen Tropfsteinsäulen in die Höhe, darunter eine der höchsten bekannten Säulen der Welt mit rund 32 Metern. Zudem fanden Forscher in der Höhle prähistorische Felsmalereien und Spuren von Menschen, die hier schon vor Zehntausenden von Jahren lebten.
Zum krönenden Abschluss des Tages ging es in das nahe gelegene Bergdorf Frigiliana, das zu den schönsten Orten Andalusiens gezählt wird. Zwischen den weiß getünchten Häusern, Blumentöpfen und steilen Gassen eröffnete sich ein herrlicher Blick hinunter auf die Küste Südspaniens und das Mittelmeer.
Erst unter Tage, dann hoch hinaus: Nach den Tropfsteinhöhlen von Nerja genießt die Gruppe in Frigiliana den Blick über das weiße Dorf bis zum Mittelmeer.
Paella, Beachvolleyball und Abschied
Am Mittwoch, dem vorletzten Tag, traf sich die ganze Gruppe nach dem Unterricht zu einem gemeinsamen Paella-Essen – dem spanischen Klassiker schlechthin. Danach durfte der Sport nicht fehlen: Am Strand wurde Beachvolleyball gespielt. Eine Partie Rugby fiel dagegen aus, nachdem der Ball unterwegs einen neuen Besitzer gefunden hatte.
Teamwork an der Riesenpfanne: Beim gemeinsamen Paella-Kochen ist Fingerspitzengefühl gefragt – und eine Schüssel Erbsen.
Bevor es nach Hause ging, gab es noch einen offiziellen Abschluss: Die Spanischlehrkräfte der Sprachschule überreichten in jeder der drei Lerngruppen die Teilnahmezertifikate. Schwarz auf weiß bestätigen sie, was die Jugendlichen in den Unterrichtsstunden am Vormittag und im Alltag bei den Gastfamilien geleistet haben – und manches Zertifikat dürfte zu Hause einen Ehrenplatz bekommen.
Geschafft – mit Brief und Siegel: Stolz präsentiert eine der drei Lerngruppen ihre Zertifikate der Sprachschule. Den Moment hält ihr Spanischlehrer gleich selbst per Selfie fest.
Am Donnerstag, dem 22. Oktober, hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Der Rückflug nach Basel bot noch einmal ein Erlebnis für sich: zuerst einen weiten Blick über die Alpen und kurz vor der Landung schließlich über den Schwarzwald bis hin zum Feldberg – fast schon ein Gruß aus der Heimat.
Fazit: Eine rundum gelungene Reise
Trotz Unwetter und spontaner Programmänderungen war die Sprachreise nach Málaga ein voller Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Spanischkenntnisse im Unterricht wie im Alltag bei den Gastfamilien spürbar erweitert, Andalusien mit seiner reichen Geschichte und Kultur kennengelernt und vor allem als Gruppe zusammengefunden. Gerade der Zusammenhalt in den kleinen Wohn- und Lerngruppen wird vielen genauso in Erinnerung bleiben wie die Alhambra oder der Blick von Frigiliana aufs Meer. Ein großer Dank gilt Anja Winz, die diese Sprachreise von der ersten Planung bis zur Landung in Basel mit viel Engagement organisiert und koordiniert hat.
Adiós Málaga. Te llevo en mi corazón!




